Der Quoten-Mann

Mein guter Kollege Bruno hat mir kürzlich diese Geschichte erzählt. Er ist auf der Suche nach einem neuen Job und durfte sich beim Grossverteiler M* als Social Media Manager vorstellen. Er selber bezeichnet sich in diesem Bereich als Spezialist und kann schon viele Erfolge nachweisen.

Darum wurde er auch nach drei Bewerbungsrunden an den Hauptsitz der Firma M* nach Zürich eingeladen. Dort war er mit einem fast zweistündigen „Verhör“ konfrontiert. Zwei Frauen spielten mit ihm „good cop, bad cop“. Dabei musste er Fragen beantworten wie „Was können Sie über unseren Betrieb sagen was wir noch nicht wissen?“ und: „Wie werden Sie von anderen wahrgenommen?“

Die Absage oder die Antwort auf dieses „Verhör“ dauerte über einen Monat. Erst als er nachfragte, meinte man am Telefon, dass er leider diese Stelle nicht bekäme. Warum, konnte man ihm nicht sagen, weil die zuständige Person (die diese Absage dem HR mitteilte) keinen Grund bekanntgab. Und eh gerade in den Ferien weilt.

Darum hat Bruno zwei Wochen später nachgefragt. Da hat ihm die zuständige Frau mitgeteilt, dass er die Stelle nicht bekomme, weil „er nicht ins Team passe“.

Dies konnte Bruno nachvollziehen, als er sich die Teamseite der Online-Abteilung der Firma M* nochmals anschaute. Sie bestand aus 6 Personen, davon waren 5 Frauen und ein Mann, der in Blogs beschrieb, wie man aus T-Shirts Einkaufstüten bastelte.

Da war Bruno alles klar. Er überstand ganze drei Bewerbungsrunden (inklusive Videointerview) und ein Verhör und hatte von Grunde auf nie eine Chance. Eingeladen wurde er nur, weil wohl die HR-Statistik und die Regeln dort eine gerechte Verteilung der Bewerber erfordern. Und Bruno war da nur der Quotenmann.

Eingestellt wurde dann eine Frau. Eine, die Bruno sogar kannte. Bruno war da zuwenig Frau und vielleicht als Mitt-Vierziger auch zu alt.

Dies kann Bruno alles irgendwie nachvollziehen. Nicht nachvollziehen kann er, wenn der Bewerbungsprozess so langwierig  war und aber zum vorneherein klar war, dass er nie hier würde eingestellt werden.

Man könnte Bruno nun vorwerfen, dass er ein schlechter Verlierer sei. Finde ich aber nicht, da die Absage „er passe nicht ins Team“ schon zu Beginn alle Chancen auf den Job vernichtet hat. Warum hat man ihn dann überhaupt als Bewerber eingeladen?

*Name der Redaktion bekannt.

 

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