Das passiert nur den anderen.

Leider nein. Es passiert jedem. Irgendwann, Irgendwie, Irgendwo.

Das, was man im Alltag vergisst und verdrängt: Dann, wenn die Eltern sterben. Lange Zeit wurde ich davon verschont. Es wurde geplant, gelacht, geliebt und dann… weg. Einfach weg.

Meine Mutter ist tot. Schlaganfall. Koma, Hoffen, Bangen und jetzt. „Sie hat es nicht geschafft.“ Ich bin mit meinen Geschwistern und meinem Vater irgendwo im falschen Film hängengeblieben. Es ist leer, wir sind leer. Wir können es nicht begreifen.

74. Kein Alter eigentlich. Man macht sich Gedanken. Was habe ich zuletzt mit ihr besprochen, wann haben wir uns zuletzt gesehen? Kann ich genau sagen, da meine Eltern im Ausland leben. Man sah sich nicht soviel, man hat halt viel telefoniert. Die Distanz war da, man sah sich zweimal oder dreimal im Jahr, dafür innig. Und jetzt weg.

Man hätte mehr vorbei gehen können. Ein Flug geht nicht lange, kostet aber doch recht viel. Man überlegt es sich und hat es dann meist doch nicht gemacht. Hätte man es mehr gemacht, wenn man gewusst hätte, dass…? Ja klar. Aber man weiss es ja nicht. Heute sie, morgen du. Weg ist weg. Und was bleibt? Trauer, Gedanken, Erinnerungen.

Es wird viel geweint am Telefon. Auch ich bin traurig, versuche aber meine Geschwister doch noch etwas aufzuheitern. Sie hätte es so gewollt. Sie war eine gute, eine aufgestellte, herzlich. Hat sie nicht verdient so zu gehen. Wer hat das schon?

Es folgen Zwiegespräche mit Gott. Warum? Warum gerade jetzt? Was hat das für einen Sinn? Antworten gibt es keine. Meist.

Sie hat schon fest an Gott geglaubt. Etwas, was bestimmt, was passiert. Warum hat denn er das so gewollt? Keine Antwort. Und trotzdem gehen wir in die Kirche. Ob es da Antworten gibt?

Wahrscheinlich nicht. Doch, was ich spüre ist ein grosses Zusammengehörigkeitsgefühl. Unter uns Geschwistern, mit meinem Vater. Endlich kommen alle wieder zusammen. Nur sie fehlt halt. Sie fehlt. Du fehlst. Ich vermisse dich.

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2 Gedanken zu “Das passiert nur den anderen.

  1. Liebe alle
    Mein aller herzlichstes Beileid!🌹
    Ich bin eine Freundin von Claudia. Ich weiss wie ihr euch fühlt. Ich habe meinen Vater vor 23 Jahren durch einen Unfalltod verloren. Auch da war der Familienzusammenhalt das Wichtigste und ist bis heute so geblieben. Ich habe 6 Geschwister – wir habens gut! Da mache ich mir schon mehr Gedanken um meinen 16jährigen Sohn. Mein Mann ist dieses Jahr nach kurzer Krankheit – noch nicht einmal 50ig jährig – verstorben. Wir haben nur einen Sohn…
    Vor 4 Jahren habe ich ein geliebtes Gottemaitli im Alter von 11 Jahren durch den Tod verloren. Ich denke manchmal auch, dass es irgendwann reicht! Aber das Leben geht weiter und wir versuchen, trotzdem ein schönes Leben zu leben.
    Ich wünsche euch viel Kraft, Zuversicht und eine lichterfüllte Weihnachtszeit!🌅

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