Bei den Chinesen.

Vielleicht ist es der Stress, vielleicht auch was anderes. Ein Hirntumor ist es nicht, auch nichts mit der Wirbelsäule und auch die Nerven sind intakt. Alles abgeklärt. Und doch: Hin und wieder habe ich taube Hände. Wache auf in der Nacht und es „chribblet“. Unangenehm.

Mein Homöopath versuchte zu helfen. Es ging weg und kam wieder. Und jetzt bin ich bei den Chinesen. TCM heisst das Ding, wo man überall findet „Traditionelle Chinesische Medizin“. Wenn nichts mehr hilft, dann helfen dir die Chinesen. Und so ging ich letzte Woche dorthin.

Nur schon der Eingang der TCM-Praxis irgendwo in der Stadt Zürich war seltsam. Kennen Sie diese zweifach-Türen? Also eigentlich eine Einfach-Tür. Eine Tür und wenn man sie etwas grösser machen will, macht man mit einem Riegel den Rest auf. Den kleinen Rest. Bei meiner Praxis gab es diese Tür. Nur, sie haben nicht die kleine Tür blockiert, sondern die Grosse! Und so zwängt man sich da mal rein. Witzig. Aber auch klischeehaft. Die kleinen Chinesen brauchen doch keine grosse Tür.

Die Frau am Schalter : Eine Chinesin. Sie kann Deutsch. Wenn auch gebrochen und riecht gesund nach Knobli. Auf dem Tresen… was wohl? Ein Grüntee. Ich konnte kaum, die Jacke abziehen, da erscheint auch schon der chinesische Doktor. Der vier Wörter kann. „Hallo“, „Ade“, „Akupunktur“ und „Weh?“

Die chinesische Empfangsfrau kam im Arztzimmer dazu als Übersetzerin. Er will meine Zunge sehen. Ok. Hier ist sie. Der chinesische Doc schreibt was auf, redet mit der Übersetzerin. „Was sieht er denn bei meiner Zunge?“, frage ich. „Einen feuerroten Drachen. Stress.“ Ahja.

Die Hände werden untersucht. Dabei legt man die Hände auf ein Kissen, welches sicher schon lange da liegt. Es folgen chinesische Wörter und dann sagt die Übersetzerin, wir machen erst Masage und dann Akupunktur. „Akupunktur“, sagt nun auch der chinesische Doc.

Die Massage war äusserst schmerzhaft. Sie kneten einem nicht direkt mit den blossen Händen, sondern legen ein Tuch dazwischen und da kneten sie dann drauf. Und dann folgt. „Akupunktur“, sagt der Doc.

Akupunktur. Das ist das Ding mit den Nadeln. Und es sind lange und spitze Nadeln. Er sticht rein, es tut weh, irgendwo krümmt sich ein Nerv. Ich stöhne etwas. Der Doc fragt „weh“? Jaja. Tut weh. Aber dann folgt ja noch der Strom. Die Nadeln werden verdrahtet, es folgen Stromstösse und dann lassen sie mich alleine.
Fast alleine. Ich sitze da auf dem Stuhl und darf durch den Vorhang zum Fenster rausschauen. Zur Sicherheit, legen sie mir eine Läute hin. Fürs „weh“. Jaja. Ich nicke. Verstanden.

Es tut etwas weh. Ich sitze hier. Auf dem Stuhl, schaue aus dem Fenster, nicke manchmal ein und wache wieder auf, weil es dann mehr weh tut. Irgendwann nach etwa 15 minuten hören die Stromstösse auf. Und vom Apparat erklingt eine chinesische Melodie. Ständig. Das Zeichen, dass nun die Stromstoss-therapie fertig ist. Ich sitze da. Und denke… und nun? 5 minuten vergehen. Erst dann kommt jemand rein. Stellt die Melodie ab und geht wieder. Später kommen sie dann wieder und entfernen die Nadeln. Es tut weh und blutet. Desinfiziert wird mit einem haufen Alkohol.  „Sie bekommen da dann ein Hämathom“. Sagt die Übersetzerin. Von was? Bitteschön?

„Und jetzt noch schröpfen.“ Was?

Schröpfen. Ja. Ich muss auf die Bahre liegen. Es folgen Sauggeräusche. Der Doc platziert gläserne Saugglocken auf meinem Rücken. Tut nicht weh, etwas komisch. Nach 20 minuten (eine Ewigkeit) werden diese wieder entfernt. „Sie bekommen da einen Bluterguss.“ Sagt die chinesische Übersetzerin.

„Ok.“ Wird ja nicht so schlimm sein. chinesischemedizin

Naja. Es sah dann eben doch schlimm aus.

Nach über 2 Stunden ist der Spuk dann endlich vorbei. „Sie kommen morgen wieder.“ Wie bitte? „Ja, sonst wirkt es nicht.“ Meine Güte. Und so gehe ich praktisch jeden zweiten Tag nun zum Chinesen. Wirkts? Etwas. Die Taubheitsgefühle sind besser geworden. Dafür sehe ich aus, als hätte ich einen Autounfall hinter mir. Oder eine Prügelei. Überall blaue, gelbe und rote Flecken. Gut, mache ich das im Winter und nicht im Sommer.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s